Wo hin man als Verbraucher auch schaut - überall lauert sie: die Werbung. Ihr zu entkommen ist schwer, eigentlich unmöglich. Ignoranz ist ein Weg - doch ist es wirklich möglich ihr aus dem Weg zu gehen bzw. will man das überhaupt? In den Medien - sei es Fernsehen, Zeitung, Radio oder im geliebten Internet - beim Einkauf im Supermarkt, der Fahrt mit der Bahn oder beim Bummel durch die Innenstadt - sie begleitet uns durchs Leben.
Täglich sagt sie uns Hallo. Unsere Reaktionen sind unterschiedlich - manchmal nervt sie, manchmal provoziert ist, manchmal lächelt sie uns an, manchmal ist sie witzig und manchmal lässt sie uns sogar in das nächste Einkaufszentrum rennen. Sie beschäftigt uns. Sie beschäftigt uns, weil sie für Gespräche sorgt - im Idealfall.
Was wäre nun, wenn wir schon seit Jahren unbewusst eine Marke in E-Mails, im Chat, im Forum usw. in’s Gespräch bringen?
Aktuelles Beispiel: LG - Täglich in Mails und Text-Nachrichten von Millionen deutschsprachiger Bürger. Genauer genommen sorgt LG für den Gesprächsabschluss. Zwei Buchstaben, die für die Wörter „Liebe“ und „Grüße“ stehen. Wer hat sie noch nicht verwendet? Am Ende einer SMS? Zum Schluss einer E-Mail? Kurz: So mögen wir es. Und in Zeiten von Web 2.0 kann es gar nicht schnell genug gehen.
Nebeneffekt: Das Kürzel hat auch LG erkannt: der Elektronikkonzern aus Süd Korea wird täglich von Millionen von Menschen bei der Werbung und der Verbreitung seiner Marke unterstützt - und das ganz umsonst und freiwillig. Denn irgendwie ist es uns wohl allen nicht ganz so klar, dass wir laufend für eine Marke werben. Schließlich steht unser LG für was anderes, richtig? Oder versucht die Werbung uns etwa mal wieder zu manipulieren und hinter der Doppeldeutigkeit von LG steckt mehr? Die Agentur NETEYE hat versucht Licht in’s Dunkel zu bringen und liefert einen Viral zum Thema.
Skandal um LG from elbkind on Vimeo.
Obwohl ich nun seit 2 Monaten bei elbkind arbeite und dadurch tagtäglich mit unterschiedlichen Cases zu tun habe, ist mir dieses Video besonders im Kopf hängen geblieben. Jedes Mal, wenn ich nun am Ende einer Nachricht LG schreibe, denke ich an diesen Viral und somit an die Marke LG. Habe ich vor diesem Clip nicht an den Elektronikkonzern gedacht, nachdem ich das Kürzel am Ende einer Mail oder SMS gesetzt habe, so ist es nun der Fall. Was passiert da eigentlich im Gehirn? Nach einem Gespräch mit Markus, unserem wissenschaftlichen Leiter, habe ich folgendes notiert:
Zum einen spielt die Kampagne mit dem “Priming-Effekt” - es werden im sogenannten limbischen (unbewussten) System neue Assoziationen zum Kürzel LG geknüpft. So wird die Marke LG unauslöschlich in das “Gefühls- und Ideennetz” gestrickt, welche das Hirn beim Schreiben von “Liebe Grüsse” in SMS und E-Mail mit lieben Freunden entwickelt.
Zum Zweiten wird die Verknüpfung der Marke mit etwas “Alltäglichem” dazu herangezogen, dass man eben nicht nur zu besonderen Gelegenheiten an LG denkt, sondern mehrmals am Tag… und auch noch in Situationen, die kontextsensitiv mit dem Produkt zu tun haben.
Zum Dritten setzt der Effekt der “bloßen Darstellung” ein - durch die eintretende “Bekanntschaft und Familiarität” kann die Einstellung eines Menschen zu Dingen positiv beeinflusst werden und ein Erlebnis von Vertrautheit und Sympathie einsetzen. Steht man dann im Shop des Netzanbieters vor einer Vielzahl von Endgeräten, werden die LG-Sets ein besseres “Bauchgefühl” hervorrufen.
…und jetzt mal Hand auf‘s Herz: Heute schon „gratis“ LG beworben?