Monatsarchiv für Februar 2009

 
 

Fürn Apel und n Ei

Schon vor einigen Monaten beschäftigte sich einer meiner Artikel auf elbkind:blog unter anderen mit der Validität quantitativer Auswertungen von Viral Video Kampagnen. Unter anderem stellte ich im Artikel auch die Nachvollziehbarkeit von portaleigenen Statistiken in Frage. In der Folge wurden mir immer wieder Fragen wie „Wie werte ich Kampagnen valide aus?“ und „Wie werden Viewcounts auf Portalen wie YouTube oder MySpace beeinflusst?“ gestellt. Eine hundertprozentige Antwort musste ich meistens schuldig bleiben und so sah ich am zurückliegenden Wochenende die Notwendigkeit, mich einmal näher mit der Thematik auseinander zu setzen. Ich machte eine Entdeckung, die ich in dieser Form nicht erwartet hatte.

Neben dem künstlichen Pushen von Videos über Skripte und Frames lebt mittlerweile eine nicht unerhebliche Anzahl von “Agenturen” davon, Viewcounts, Kommentare und Bewertungen auf YouTube und anderen Plattformen massiv zu manipulieren. Dies tun sie nicht etwa heimlich, sondern bieten ihre Dienste im Internet offen und völlig unverfroren an.

Das Angebotsspektrum diesbezüglich ist beträchtlich und die am Markt befindlichen Dienstleister bieten selbst für den kleinsten Geldbeutel einiges:

Für 10.000 Views, 10 Fünf-Sterne-Ratings und 5 Kommentare muss der Kunde beim günstigsten Anbieter gerade mal 20,- € locker machen. Von einem anderen wird für 700,- € ein  Rundumsorglospaket angepriesen. Dieses garantiert unter anderem 450.000 Views in 3-4 Tagen. Natürlich ist es je nach Investition möglich, Views, Kommentare und Bewertungen in beliebiger Höhe hinzu zu buchen.

Die oft gestellte Frage, warum ein mittelmäßiges Video, das keiner kennt, in manchen Fällen mehrere Millionen Views erreicht hat, dürfte damit beantwortet sein. Man kann davon ausgehen, dass ein Video, welches in 3-4 Tagen 450.000 Views erreicht, mit hoher Wahrscheinlichkeit in den folgenden Tagen in den Top-Listen zu finden sein wird und sich somit durch diese exponierte Position die Viewcounts zusätzlich vervielfachen. Die erhoffte virale Verbreitung in den eigentlichen Zielnetzwerken wie Blogs, Communities und Foren wird jedoch auch dann kaum einsetzen, da sich die Clipqualität durch die Manipulation freilich nicht gesteigert hat.

Unbestreitbar ist, dass YouTube und die anderen bekannten Videoportale wichtige Knotenpunkte für Viral Video Kampagnen sind. So versucht hier natürlich jeder, das vorhandene breite Publikum auf sein Video aufmerksam zu machen und damit einen viralen Effekt durch die Plattform zu erreichen.

Mit diesen Geschäftspraktiken allerdings wird nicht nur die Frage „Was bringt mir virale Kommunikation“ ad absurdum geführt, sondern gleichzeitig mit Hochdruck daran gearbeitet, das gesamte System Social Web zu zerstören. Konzepte wie Twitter, Blogs oder eben YouTube, die das Internet mit prägen, verlieren nicht zuletzt wegen solchen Stealthmarketing Praktiken immer mehr an Glaubwürdigkeit.

Gerade deshalb wird es immer wichtiger, den Kunden ein Höchstmaß an Transparenz zu bieten: Wenn elbkind von einem viralen Erfolg spricht, sind nicht möglichst viele erreichte Views alleiniges Kriterium. Vielmehr sind die viralen Effekte einer Kampagne auch für den Kunden in Form von merklich erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit und/oder Abverkäufen zu spüren.

Unentdeckte Perlen Nr. 2

Wrong side of life

Danke nilsn

Katzen-Livestream aus dem Tierheim

Eine sehr gelungene Aktion von FoundAnimals die ich nur unterstützen kann, denn nicht nur in Amerika platzen die Tierheime aus allen Nähten.

Der Stream scheint im Moment ein wenig überlastet zu sein. Alternativ gibt es hierzu nun auch den direkten Link zur Webseite.